Pferdehaltung gestern und heute


von Urs Schweizer, SWISS HORSE MANAGEMENT, CH-Mettendorf


Bauer beim täglichen Gras-Schneiden
Die Pferdehaltung, die Nutzung der Pferde, sowie auch die Pferde selbst, haben sich in den vergangenen hundert Jahren doch entscheidend verändert.
Neue Ansprüche der Pferde sind aus ihrem veränderten Einsatz und der Haltung entstanden - das Pferd hat sich heute vom Nutztier zum Freizeitpartner und Sportkamerad gewandelt. 
Die Ansprüche an eine artgerechte Pferdehaltung, vom Pferd her gesehen, sind eigentlich immer die selben geblieben, da diese sich aus der Evolution des Pferdes vom katzengrossen Urwaldbewohner zum Steppenbewohner ergeben.
Um die Ansprüche, die das Pferd an seine Pflege und Unterbringung stellt, zu kennen, müssen wir erst einmal wissen, woher das Pferd eigentlich ursprünglich kommt und wie sich sein Tagesablauf und sein Umfeld gestaltete.

Das Pferd hat sich im Laufe der Jahrtausende vom katzengrossen Urwaldbewohner (Condylarthra v. 65 Mio. Jahren) mit fünf Zehen zum einhufigen Steppentier Pferd ( vor ca. 10500 Jahren) entwickelt.

Dreispännig vor dem Pflug

Das Pferd in seiner natürlichen Umgebung
Da es in einer Steppe (wüstenähnliche Landschaft) ein nur sehr karges und knappes Futterangebot gibt, war das Pferd also dazu gezwungen, sich kontinuierlich (bis 18 Stunden am Tag) mit der Futtersuche zu beschäftigen, wobei es sich gemächlich im ruhigen Schritttempo durch die Steppe bewegte und dabei beachtliche Strecken zurücklegte.
 
Die tägliche Arbeit auf dem Feld kommt dem Bewegungsbedürfnis des Pferdes entgegen

Arbeitspferde einer Fuhrhalterei in Norddeutschland
Es entsteht daraus der Anspruch der Pferde auf viel Bewegungsmöglichkeit über einen grösseren Zeitraum und die Tatsache, dass das Pferd nicht in der Lage ist, grosse Futtermengen auf einmal aufzunehmen, da sein Verdauungsapparat (nur ein kleiner Magen von ca. 10 - 20 l Inhalt) nicht dazu eingerichtet ist.

Da das Pferd ein Beutetier diverser Raubtiere war, lebte es in grossen,  mit einer klaren Rangordnung strukturierten Gruppen (Herden) zusammen und verfügt über äusserst sensibel ausgebildete Riech-, Seh- und Hörorgane, um rechtzeitig vor Gefahren gewarnt zu sein.


Auch der Sonntagsausflug wurde mit Kamerad Pferd absolviert

Das Pferd fühlt sich als Herdentier nur in Gesellschaft von Artgenossen sicher
Nun ist es auch verständlich, warum Pferde, wenn sie alleine sind, schneller nervös, unsicher und ängstlich werden. Es fehlt ihnen die Geborgenheit der Herde und die Gesellschaft von Artgenossen. Wir stellen im täglichen Umgang mit  Pferden  immer wieder fest, dass ein Pferd plötzlich erschrickt und wir nicht wissen wieso. Dies hängt wohl damit zusammen, dass unsere Augen, Nase und Gehör niemals so gut ausgebildet sind wie die des Pferdes und lange nicht alles wahrnehmen, was unser Pferd riecht, hört oder sieht.
Der erfahrene Pferdefreund, Reiter oder Fahrer lernt deshalb, wie ein Pferd zu fühlen und zu denken, um  sich in sein Pferd hinein zu versetzen und kann somit viele Unfälle im täglichen Umgang, beim Reiten und Fahren mit unseren vierbeinigen Freunden vermeiden.
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Wichtig ist das Vertrauen des Pferdes zum Menschen

Hengstmusterung in Oldenburg vor 50 Jahren
Innerhalb der Herde herrscht eine klare Rangordnung, welche genau festlegt, wer der "Chef", sprich das Alphatier ist. Die Alpha-Stute oder der Leithengst sind mit gewissen Rechten und Pflichten ausgestattet, welche sie bzw. ihn vom Rest der Herde abheben und zum bestimmenden Faktor machen. Wichtig ist zu wissen, dass wir, wenn wir mit Pferden umgehen, immer im Auge behalten, dass wir für unser Pferd das "Alphatier" sein müssen. Dies erreichen wir durch einen konsequenten Umgang mit dem Tier, in einer Art und Weise, die das Pferd auch in seiner Sprache interpretieren kann, niemals aber mit Gewalt. Unser Pferde soll uns respektieren und unseren Entscheidungen  und Hilfengebungen in jedem Moment und jeder Situation vertrauen, dann erreichen wir auch die gesteckten Ziele, in der Ausbildung und im Umgang mit dem Pferd.
Bereits vor über 5000 Jahren hat der Mensch damit begonnen, das Pferd für seine Zwecke zu nutzen und einzusetzen und somit als Haustier zu halten (zu domestizieren) . Wie würde wohl unsere Welt heute aussehen, wenn es nie Pferde gegeben hätte - ich weiss es auch nicht, aber eines ist sicher: Vieles in der Weltgeschichte hätte einen anderen Verlauf genommen, wenn das Pferd uns Menschen nicht immer treu gedient hätte, sei es in der Landwirtschaft als Arbeitstier, sei es als Reit- oder Kutschenpferd um grosse Strecken einfacher zu bewältigen, und natürlich nicht zuletzt als Kriegsgerät vieler Völker, die Dank der Mithilfe der Pferde grosse Flächen und Ländereien erobern konnten.

Nützliche Helfer bei der schweren Arbeit im Wald

Auch in der Armee prägte das Pferd das aktuelle Weltbild massgeblich mit
Heute ist all dies nicht mehr aktuell. Das Pferd hat sich zum Freizeitpartner für uns Menschen gewandelt, die Motorisierung und Technik haben die Notwendigkeit der Pferde in der Landwirtschaft und in der Armee überholt. Und dennoch haben wir steigende Pferdebestände - ein Zeichen dafür, dass die Faszination PFERD nicht kleiner geworden ist.
Das Pferd faszinert uns nach wie vor durch seine Schönheit, Eleganz, seinen Stolz, seine Kraft und Anmut. Dadurch, dass viele Leute aber das Pferd nicht mehr gewerbsmässig halten und täglich intensiv mit den Pferden zusammen arbeiten, ist auch eine grosse Gefahr, dass Emotionen die Fachkenntnisse in der Pferdehaltung übersteigen und eine Vermenschlichung des Pferdes, wie auch  bei anderen Haustieren, voranschreitet. Dies ist für unsere Pferde sicherlich nicht wünschenswert. Denn die Pferde von heute sind wohl edler, sensibler und temperamentvoller geworden, sind aber im Grunde genommen immer noch die Steppentiere, wie wir sie eingangs dieses Artikels beschrieben haben und verdienen es auch in Zukunft, artgerecht und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten zu werden.

Araberhengste in Äegypten

Oldenburger Hengst Rubin Royal v. Rohdiamant-Grundstein II - Akzent (Hengsthaltung Harli Seifert)
Dies haben sich die Mitarbeiter im Team der SWISS HORSE MANAGEMENT zum Ziel gesetzt. Wir möchten im Interesse der Pferde die Aus- und Weiterbildung der Menschen, die den täglichen Umgang mit den Pferden haben, vorantreiben und  fördern, damit altes Kulturgut nicht verloren geht, neue Erkenntnisse umgesetzt werden, und das Phänomen Pferd auch in unserer schnelllebigen Zeit weiterhin einen sicheren Platz hat, an dem es sich auch wohlfühlt!
 
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