Pferdezucht in der Schweiz

von Urs Schweizer, SWISS HORSE MANAGEMENT, CH - Mettendorf
Rückzug des Staates auf allen Ebenen - auch aus der Pferdezucht. Das schafft Raum für initiative Leute und neue Ideen und Innovationen. Es hat sich viel gerührt in der Szene der Schweizer Pferdezüchter!
  

Einige Zahlen zur schweizerischen Warmblutpferdezucht:

* ca. 2'500 eingetragene Zuchtstuten beim ZVCH (Warmblutpferdezuchtverband)
* ca. 1'000 geborene Fohlen
* ca. 150 für das Studbook ZVCH zugelassene Zuchthengste aus dem In- und Ausland.
* ca. 1'000 Warmblutpferde aus Schweizer Zucht werden jährlich gehandelt
* ca. 2'000 Warmblutpferde werden jährlich aus dem Ausland importiert_br/__br/_Die schweizerischen Rassenverbände - 16 an der Zahl - sind in der Dachorganisation des Verbandes Schweizerischer Pferdezuchtorganisationen _VSP.css) mit Sitz in Avenches zusammengeschlossen, welcher den Kontakt zu den Amtsstellen pflegt

Wirtschaftsfaktor Pferd in der Schweiz
Pferdehaltung und Pferdezucht schaffen in der Schweiz rund 10'000 Arbeitsplätze und erzielen ein jährliches Bruttosozialprodukt von rund 650 Millionen Schweizer Franken, bei einem geschätzten Investitionskapital von rund 3 Milliarden Schweizer Franken.
Die Pferdezucht in der Schweiz besitzt eine langjährige Tradition. Nicht zu jeder Zeit standen aber dieselben Rassen im Vordergrund. So genoss bereits im Mittelalter die "Einsiedler-Pferdezucht" - heute als Rasse ausgestorben - einen grossen Namen.
Einsiedeln als älteste Pferdezucht unseres Landes aufzuzeigen, rechtfertigt vollauf die Veröffentlichung folgender Daten: Im Jahre 934, im Zeitalter des aufblühenden Rittertums, wird die Benediktinerabtei gegründet. Die Mönche der ersten Jahrhunderte stammen in ihrer Gesamtheit aus dem Adels- und Ritterstand. Damals war die Pferdezucht in den Händen des Adels und der Klöster, so auch in den umliegenden Ländern. Aus ihren heimatlichen Burgen und Schlössern, brachten sie die Liebe und Passion für das Pferd mit ins Kloster.
Der Bestand eines Gestüts in Einsiedeln ist bezeugt von Kaiser Heinrich IV in einer mit der Jahrzahl 1064 versehenen Urkunde. Der älteste erwähnte Stutenstamm aus Einsiedeln, der Stamm der Quarta Familie lässt sich bis ins Jahr 1848 zurückverfolgen.


Originalurkunde Kaiser Heinrich IV.

 

Die Einsiedler Rasse ist heute ausgestorben, auch wenn heute noch im Marstall des Klosters Einsiedeln edle Warmblutpferde gezüchtet werden. Auf nationaler Ebene sind Bestrebungen im Gange, den "Einsiedler" als Rasse wieder einzuführen.
Dagegen hat eine andere typische Schweizer Pferderasse, der Freiberger, heute in ganz Europa einen grossen Freundeskreis und Kaufinteressenten gefunden, und seine Beliebtheit als Freizeit- und Kutschpferd nimmt immer noch zu. Freiberger werden rege nach Deutschland und Italien exportiert. Dort finden sie als gutmütige, anspruchslose Freizeitpferde viele Liebhaber.


Freibergerhengst Carbarnet

 


Freiberger in den Diensten der Schweizer Armee

 

Dagegen besitzt die Schweizer Warmblutpferdezucht, seit die Einsiedler Rasse ausgestorben ist - keine Tradition mehr. Mit Abschaffung der Kavallerie in der Schweizer Armee 1972 hat aber die Warmblutzucht wieder einen markanten Aufschwung in der Schweiz genommen, auch wenn man die Schweiz im Bereich der Warmblutzucht ganz klar als Nachzuchtland einstufen muss.
Immer wieder gelingt es aber engagierten Pferdezüchtern, sich in den Hochzuchtländern Deutschland, Frankreich oder Holland eine hervorragende Stute oder einen Hengst aus höchstbonitierten Mutterstämmen für die Zucht hier in der Schweiz zu sichern. Durch die vielen Importe von Pferden und auch Hengstsamen von im Ausland stationierten Hengsten, verfügt die Schweizer Warmblutpferdezucht heute über eine Vielzahl verschiedenster Blutlinien Europas.


Des Züchters ganzer Stolz und Hoffnung! 

 


Junghengste auf der Sommerweide

 

Bis vor wenigen Jahren hat der Staat (Bundesamt für Landwirtschaft)  die Pferdezucht geregelt und auch die Herdebücher der damals drei staatlich geförderten Zuchtrassen Warmblut, Freiberger und Haflinger geführt. Heute obliegt die gesamte Verantwortung der Verbandsführung und des Herdebuches den einzelnen Rassenverbänden, was zu grossen Umstrukturierungen im Bereich der Reglemente und Satzungen der einzelnen Verbände geführt hat. Als Dachorganisation der einzelnen Rassenverbände und als Ansprechpartner des Bundes agiert heute der Verband Schweizerischer Pferdezuchtorganisationen mit Sitz in Avenches, welcher auch den einzelnen Rassenverbänden die Herdebuchstelle als Dienstleistungszentrum zur Verfügung stellt.
Jeder Verband kann heute die Bestimmungen und Reglemente für seine Rasse selbst festlegen. In diesem Zusammenhang hat sich der ZVCH hohe und ehrgeizige Ziele gesteckt, obwohl die Rahmenbedingungen nicht immer nur rosig sind, denn ein europaweit überschwemmter Pferdemarkt mit Pferden mittleren und schlechterer Qualität liess die Preise für solche Pferde in sich zusammenfallen, so dass oftmals nicht einmal die Selbstkosten gedeckt werden können bei einem allfälligen Verkauf. Und so kommt es, dass dreijährige Pferde oftmals zu "Schundpreisen" verkauft werden müssen.
Es dürfte wohl jedermann einleuchten, dass in einem solchen Umfeld, bei dieser schwierigen Marktlage nur noch Qualitätspferde ihren Markt haben und auch zu wirtschaftlichem Erfolg führen können.


Trächtige Stute im Winterauslauf

 


erfolgreiches Schweizer Paar - Daniel Etter mit Lorina GZ CH (v. Lombard) 

 

Es wurden in den vergangenen zwanzig Jahre enorme Zuchtfortschritte in der Schweizer Warmblutzucht erzielt, und so finden wir heute auch an grossen internationalen Sportveranstaltungen, und kürzlich sogar an Europas teuerster Sportpferde-Auktion, der PSI in Ankum, Pferde mit Schweizer Brand. Pferde wie Flying Shark CH (v. Calando II)  und Dixie CH (v. Sansiro) Paul Estermann, Wango CH und Wandonga CH (v. Wandango) Daniel Etter, Lorina GZ CH (v. Lombard) Daniel Etter, Zeno d'Or CH (v. Filon d'Or) Jörg Röthlisberger, Ganaelle du Roset CH (v. Tanael du Serain) und Flamme du Roset CH (v. Dollar de la Pierre) Philippe Putallaz sind einige der Aushängeschilder im grossen Springsport, bei den "Buschreitern" Military sind sicher Oree de la Brasserie (v. Arlequin x) Jörg Bodenmüller und
Guadalquivir CH (v. Gauguin de Lully) hervorzuheben, und bei den Dressurpferden schickt sich mit Salieri CH (v. Sinclair) Silvia Iklé ein "Eidgenosse" an, ganz vorne mitzureden in der Oberklasse des Dressursports.
Die Schweiz ist also absolut imstande, leistungsfähige Sportpferde hervorzubringen. Prozentual zur Zuchtpopulation gesehen ist der Schweizer Anteil international erfolgreicher Sportpferde sicherlich nicht schlechter, als der anderer hervorragender Hochzuchtgebiete.
Die qualitätsbewussten Pferdezüchter der Schweiz brauchen aber auch in der Zukunft Unterstützung, seitens des Verbandes oder seitens privater Organisationen wie z.B. der SWISS HORSE MANAGEMENT. Wichtig ist hierbei, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Zucht und Sport entsteht. Denn wenn wir schon beste Sportpferde als hochgestecktes Zuchtziel im Visier haben, müssen wir als Züchter auch die Anforderungen und Qualitätsnormen, die an diese Pferde gestellt werden, kennen und beurteilen können. Deshalb ist die intensive Zusammenarbeit an der Basis der Züchterei wie auf Verbandsebene mit den Sportverbänden und internationalen Reitgrössen im In- und Ausland ein absolutes Muss.


SALIERI v. Sinclair - Lysander mit Meisterreiterin Silvia Iklé im Sattel. Salieri eines der besten Dressurpferde der Welt und mit Silvia Iklé erfolgreiche Olympiateilnahme in Athen 2004

 


Junghengst v. Sir Oldenburg (Sion-Contender)

 

Die Pferdezucht befindet sich in unserem Land zum grössten Teil noch in den Händen der Landwirtschaft, was auch gut so ist, denn eine erfolgreiche und vor allem gesunde Pferdezucht kann nur auf genügend grossen Flächen und mit den notwendigen Fachkenntnissen über Fütterung und Haltung erfolgen. Es wird aber immer deutlicher, dass sich heute eine grosse Anzahl nicht landwirtschaftlicher Züchter mit viel Engagement und meistens auch sehr hohem finanziellen Aufwand gut in der professionellen Pferdezucht etabliert und die Pferdezucht in der Schweiz vorangetrieben haben.
Pferdezucht ist in unserem Land sehr kostspielig. Bei richtiger Kalkulation kommt ein Fohlen gut und gerne auf zehntausend Schweizer Franken, egal welche Qualität es schlussendlich besitzt. Wir erkennen hierbei einen Grund mehr, dass es sich wirklich nur noch lohnt, mit ausgesuchten Stuten aus den besten Stämmen Europas und bei den besten Hengsten Europas zu züchten. Denn nur mit bester Qualität und viel Glück kann heute noch kostendeckend gezüchtet werden. Diese elitäre Qualität erreichen wir nur über strengste Selektion, welche wir uns in unserem ureigensten Interesse selber aufzuerlegen haben. Man kann nicht genügend betonen, wie wichtig die elitäre Qualität in Bezug auf Abstammung (Stutenstamm), Korrektheit des Exterieurs und der Verwandten- und Eigenleistung bei den Stuten ist.
Wobei die Beurteilung der Eigenleistung immer ein heikles Thema ist, da hierbei doch gewaltige Umwelteinflüsse  eine massgebliche Rolle spielen, die sich dann aber über die Genetik sicherlich nicht weitervererben. Hingegen sind die Verwandtenleistung, der Stutenstamm, die Anzahl erfolgreicher Sportpferde, gekörter Hengste, Staatsprämienstuten aus einer Familie doch sehr massgebliche Faktoren, die eine grosse Aussagekraft über die Erbsicherheit des Stutenstammes geben.
Ein wesentlicher Punkt in der Pferdezucht ist natürlich auch die fachmännisch kompetente Grundausbildung der jungen Pferde, die der Züchter im Idealfall selbst vornehmen kann, wozu aber in den meisten Fällen doch die Ausbildung und Kenntnisse der Züchter nicht ausreichen.
Doch eine seriöse Ausbildung junger Pferde kostet Zeit und viel Geld und oftmals zeigt sich die wahre Qualtiät der Pferde erst im Laufe der Ausbildung. Deshalb scheuen sich viele Züchter vor diesen Aufgaben. Sie haben Angst, dieses Geld nie wieder zu sehen, was ja auch oftmals eintrifft. Deshalb sollte sich jeder Züchter vor der Ausbildung des Pferdes ein klares Urteil, am besten selbst, und wenn dies nicht möglich ist, durch einen neutralen Berater über sein junges Pferd bilden.
Ein Restrisiko bleibt immer bestehen, dennoch kann der Züchter das Risiko stark mindern, wenn er in der Lage ist, selbst über die Qualität seiner Pferde zu urteilen und immer wieder selbstkritisch seinen Stutenbestand unter die Lupe nimmt. Ebenso genau sollte er sich die Anpaarung mit dem Hengst überlegen, denn der teuerste Hengst ist nicht immer unbedingt passend zu seiner Stute, und der billigste Hengst kann sehr teuer werden, wenn der Züchter beim Verkauf der Nachzucht sehr viel Geld verliert.
Gerne sind wir Ihnen bei der Beratung in der Anpaarung, beim Ankauf der Zuchtstute, bei der Suche nach dem geeigneten Aufzucht- und Ausbildungsplatz behilflich. Weitere Auskünfte über :

info@swisshorsemanagement.ch