Pferdefütterung - alles gar nicht so schwer!

Pferdefütterung – alles gar nicht so schwer!

Die 10 wichtigsten Grundsätze einer erfolgreichen und pferdegerechten Fütterung

von Urs Schweizer, HYPONA Beratungsdienst, 9500 Wil SG

1.Grundsatz der kontinuierlichen Futteraufnahme

Das Pferd ist aufgrund des Baus seines Verdauungsapparates und seiner ursprünglichen Herkunft als Steppentier mit kargem Nahrungsangebot – Futtersuche über weite Strecken bis 18 Stunden am Tag - darauf angewiesen, dass ihm möglichst häufig kleinere Futterportionen vorgesetzt werden – Grundsatz der kontinuierlichen Futteraufnahme. Anzustreben ist mindestens 3 Fütterungen pro Tag. Die Pausen zwischen den einzelnen Fütterungen sollten max. 6-7 Stunden am Tag, und 10 Stunden in der Nacht betragen.

2. Genügend Rohfaser im Futterangebot

Der Verdauungsapparat des Pferdes besteht aus einem kleinen Magen und grossen, langen Därmen, um einen reibungslosen Transport des Nährstoffbreis zu gewährleisten ist eine lockere Durchlagerung des Futterbreis mit Rohfaserteilen wichtig. Deshalb ist es unentbehrlich, dass dem Pferd immer genügend Rohfaser (Heu, Stroh, Haylage etc.) zur Verfügung steht, als Faustregel gilt hier mindestens 0.5 kg Rohfaser pro 100 kg Gewicht des Pferdes und Tag. Bei mangelnder Rohfaserfütterung, kann es ausserdem zu Verhaltensstörungen des Pferdes aufgrund mangelnder Beschäftigung kommen.

3. Unterscheidung bei der Futterration bei Futtervolumen und Nährstoffangebot

Wir unterscheiden bei der Pferdefütterung grundsätzlich über Futtervolumen, dies ist die Gesamtmenge des Futters, welche Ihr Pferd benötigt, um das Sättigungsgefühl zu erreichen. Das Futtervolumen ist praktisch unabhängig von der Leistung die das Pferd zu erbringen hat und muss dem Pferd in jedem Fall zugeführt werden. Wir gehen von 1.5 – 2.0 kg Futter pro 100 kg Gewicht des Pferdes und pro Tag aus. Wird diese Menge unterschritten, kann es beim Pferd durch das permanente Hungergefühl zu Untugenden wie Nervosität, Koppen und Weben kommen. Die Nährstoffkonzentration im Futterangebot richtet sich grundsätzlich nach der zu erbringenden Leistung des Pferdes.

4. Leistungsgerechte Fütterung

Leider werden die Pferde heute oftmals überfüttert, was genau so ungesund sein kann wie zuwenig Futter, resp. Nährstoffe. Der Nährstoffbedarf des Pferdes setzt sich zusammen aus dem Erhaltungsbedarf eines Pferdes (Grundumsatz an Nährstoffen ohne Leistungsbeanspruchung) und dem Leistungsbedarf des Pferdes (Nährstoffumsatz bei der täglichen Arbeit/Leistung). Eine gute Pferdefütterung ist also immer eine leistungsgerechte Fütterung und mehr ist nicht immer gleich besser! Die genauen Nährstoffansprüche Ihres Pferdes können Sie der einschlägigen Fachliteratur entnehmen oder fragen Sie Ihren Futtermittellieferanten.

5. Eiweissüberfütterung vermeiden

Um eine Eiweissüberfütterung (Proteine) zu vermeiden, sollte man wissen, welche Futtermittel viel Eiweiss enthalten: Sojaschrot, Leinsamen, junges Weidegras, Klee und Luzerne, Grassilage, Weizenkleie und Getreide. Steht Ihr Pferd auf einer Weide mit jungem eiweissreichem Gras, so muss zum Ausgleich eiweissarmes, rohfaserreiches Futter wie z.B. Stroh angeboten werden, um Krankheiten wie der Hufrehe vorzubeugen, muss man die Pferde langsam an das Frühjahrsgras gewöhnen. Deutliches Anzeichen einer Eiweissüberfütterung ist weicher stark riechender Kot.

6. Futterhygiene

Vor jeder Fütterung sind die Qualität des angebotenen Futters und die Sauberkeit der Futtergefässe zu überprüfen. Gefrorenes, stark verschmutztes oder gar schimmeliges Futter, darf den Pferden auf keinen Fall angeboten werden. Ansonsten Koliken zu befürchten sind.

7. Frisches Wasser – Sauberkeit des Tränkebeckens

Im heutigen Zeitalter der Selbsttränken geht leider nur allzu oft vergessen, dass auch die Funktion und Sauberkeit der Tränkebecken täglich zu überprüfen ist. Die Pferde müssen permanent Zugang zu sauberem frischen Trinkwasser haben.

8. Futterlagerung

Die Futterlagerung ist ebenfalls ein ganz wesentlicher Punkt der erfolgreichen Pferdefütterung. Einerseits sollten wir in grösseren Mengen einkaufen können, um einen möglichst wirtschaftlichen Preis zu erzielen. Andererseits sollten nicht übermässige Futtervorräte angelegt werden, da das Futter durch extrem lange Lagerzeiten, insbesondere bei ungünstiger Lagermöglichkeit Qualitätseinbussen zur Folge hat. Der Lagerraum sollte kühl und trocken sein, sowie gut geschützt von Ungeziefer und Nagern. Futter niemals auf Beton lagern, da der Beton die Feuchtigkeit leitet, und somit eine Verschimmelung des Futters zur Folge haben könnte.

9. Regelmässiges Entwurmen und Zahnpflege beim Pferd

Das regelmässige Entwurmen, gemäss Empfehlung Ihres Tierarztes und jährlich ein- bis zweimal eine Zahnkontrolle bei den Pferden, ist unerlässlicher Bestandteil einer erfolgreichen Fütterung.

10.Überwachung der Pferde beim Fressen

Nach erfolgter Futtergabe, sollten die Pferde immer wieder durch die Aufsichtspersonen beim Fressen beobachtet werden, um Fehlverhalten bei der Futteraufnahme zu erkennen, was immer wieder Hinweise auf mögliche Erkrankungen oder Probleme im Zusammenhang mit der Fütterung geben kann.